Gefragt.

Die Zeit, 12.02.2004

Gerade gab es Halbjahreszeugnisse. Hätten Sie als Schüler am liebsten gegen Ihre Fünfen geklagt?

Ich hatte zwar eine Fünf in Mathe, aber die war gerechtfertigt. Dagegen zu klagen, auf diese Idee sind weder meine Eltern noch ich gekommen.

Viele Eltern sehen das heute anders: Das Geschäft der Schulrechtler brummt. Warum?

In den vergangenen drei Jahren gab es tatsächlich einen steilen Anstieg an Anfragen. Direkt nach den Sommerzeugnissen kann ich nicht mehr in den Urlaub fahren. Je schlechter die Lage auf dem Arbeitsmarkt, desto eher sind Eltern bereit, auf dem Rechtsweg für die Zukunft ihrer Kinder zu sorgen, vor allem, wenn die kurz vor dem Abitur stehen.

Wollen da Eltern die mangelnde Intelligenz ihrer Kinder durch die Brieftasche wieder ausgleichen?

Viele Eltern sind sehr ehrgeizig und wollen nicht glauben, dass ihre Kinder nicht so leistungsfähig sind, wie sie es erwarten. Das sind oft auch Lehrer, die mit ihren Kollegen hart ins Gericht gehen. Aber es gibt auch Fälle, in denen ein Lehrer einen Schüler auf dem Kieker hat oder ein Schüler an einem Tag zwei Klassenarbeiten schreiben musste und anschließend schlecht benotet wurde. Das geht nicht.

Wie läuft eine Noten-Klage ab?

Ich empfehle den Eltern, erst mit dem Lehrer und der Schulleitung zu reden. Dann können sie immer noch Beschwerde einlegen und notfalls vor das Verwaltungsgericht ziehen. Bis zu einer Entscheidung kann es aber ein Jahr dauern.

Wie wahrscheinlich ist es, dass aus einer Fünf eine Vier wird?

Weniger als jede zweite Beschwerde hat Erfolg, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, sind die Chancen noch geringer.

Bringt eine solche Klage überhaupt etwas? Sie kostet Geld, und der Lehrer beäugt den Schüler danach erst recht kritisch.

Na ja, bei einem Verfahren verlangt ein Anwalt etwa 500 Euro Gebühren – das kann eine gute Investition sein. Die Gefahr von Rache sehe ich nicht. Wenn ein Lehrer zeigen will, was eine Harke ist, kann diese Harke schnell zum Bumerang werden. Der Lehrer wird beobachtet.

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