Zeugnisse beschäftigen zunehmend Gerichte.

Süddeutsche Zeitung, Februar 2003

Düsseldorf. – Der steigende Leistungsdruck bringt immer mehr Eltern und Schüler dazu, rechtliche Schritte gegen eine als ungerecht empfundene Benotung zu erwägen. Eltern schalteten Anwälte ein, wenn sich der Streit mit Fachlehrern verhärte, sagte der Düsseldorfer Rechtsanwalt Jörg Sion.

Eltern könnten nach Worten Sions per Widerspruchsbescheid Klage beim Verwaltungsgericht einreichen. Das Gericht prüfe dann, wie die Benotung zustande gekommen sei. Ermittelt werde etwa, ob die Zeugniskonferenz ausreichend besetzt und die Lehrkraft von falschen Tatsachen ausgegangen war. Dazu zählten unter anderem die nicht angemessene Berücksichtigung einer langen Krankheit, Legasthenie oder eine Verletzung allgemeiner Fairness aufgrund persönlicher Differenzen.

Klagen vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht könnten sich allerdings bis zu einem Jahr hinziehen, räumte Sion ein. Ein schnelleres Ergebnis nach dem Versetzungszeugnis könne mit einem Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz erreicht werden. Sobald ein Streit um Schulnoten vor Gericht lande, werde der Widerstand jedoch teuer, merkte Sion an. Beliefen sich die Anwaltskosten bei früher Einigung nur auf etwa 200 Euro, stiegen sie bei einem Gerichtsverfahren auf mindestens 500 Euro. Hinzu kämen die Gerichtskosten und mögliche Gebühren für eine Beweisaufnahme.

Noch bis Ende Februar könne gegen die Ende Januar vergebenen Zwischenzeugnis-Noten Widerspruch eingelegt werden, sagte Sion. Nach dem Einlegen von Widerspruch prüften Schule und Bezirksregierung die Zensur, indem der Lehrer zu einer Stellungnahme verpflichtet werde. Oftmals löse sich das „Missverständnis“ dann schon auf.

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